Fast 130  Jahre alt ist das Schulgebäude der Joachimschule. Es hat allen Kriegen und Bomben standgehalten und 130 Jahre wechselvolle Geschichte erlebt. Tausenden Krayer Kindern war die Joachimschule eine Stätte der Begegnung, Bildung und Freude. 

Es grenzt fast an ein Wunder, dass alle Aufzeichnungen der Schule wie Schulchronik, Zeugnislisten, Konferenzprotokolle fast lückenlos erhalten blieben. In den 70 - er Jahren des vorigen Jahrhunderts wuchs mit der rapide vorangetriebenen Industrialisierung im Ruhrgebiet die Einwohnerzahl. Arbeiter für die Bergwerke und Fabriken zogen aus dem deutschen Osten und aus Hessen in unser Gebiet. Mit ihnen kamen die Familien, meist Großfamilien mit 6 und mehr Kindern. Das Problem Schule wurde neben der Wohnungsmisere das Problem Nr. 1, auch in Steele und Kray. 

So beginnt auch der Schreiber der ersten Schulchronik seine Arbeit mit folgenden Worten:

„Da der durch Zuzug von auswärts so rapide anwachsenden Schülerzahl in dem zu Königsteele befindlichen Schulgebäude kein ausreichender Raum mehr geboten werden konnte, und außerdem viele Schüler einen Schulweg von ¾  bis 1 Stunde zurückzulegen hatten, so war anno 1874 der Weg zu diskorieren gezeigt und musste derselbe naturgemäß in der Abtrennung der rheinischen Teile von der evangelischen Schulsozietät Königsteele gefunden werden. Auf diesem Wege allein war auch die so bedeutungsvolle Übernahme der Schulbedürfnisse auf den Communaletat durchführbar.“

Am 10.11.1874 wurde unter dem Vorsitz des Landrats von Hövel der Beschluss herbeigeführt, in Kray ein neues Schulgebäude zu errichten. Die königlichen Regierungspräsidien in Arnsberg und Düsseldorf gaben das Einverständnis. Der Schulvorstand mit den Lokalschulinspektor Pfarrer Augener und der Bürgermeister von Stoppenberg Hoeren, auch für Kray damals zuständig, beschlossen am 07. Mai 1873 den Erwerb des Schulgrundstücks, „eines dem Wirt H. Sense in Kray gehörenden Grundstücks zur Größe von einem Morgen, 112 Ruthen, 40 Fuß.“ Die Architekten Pükel und Abbenna in Essen entwarfen den Bauplan. Mit dem Bau wurde im August 1876 begonnen, die Eröffnung erfolgte am 10. April 1877.

Die Schulchronik berichtet: „Nachdem am 14. August 1876 die Stelle des ersten Lehrers an der neuen Schule ausgeschrieben worden war, hatten sich nicht weniger als 27 Reflektanten gemeldet. In der Sitzung des Schulvorstandes vom 07.11.1876 wurden dann von der königlichen Regierung in Düsseldorf 3 Lehrer in Vorschlag gebracht.“ Erster Hauptlehrer der neuen Schule wurde Herr Wilhelm Wagener, bis dahin Lehrer in Hinsel (Überruhr). 

Die Zeitung berichtet über die Schuleinweihung in der Ausgabe vom 13. April 1877: „Nachdem die Schulkinder und der Schulvorstand nebst einer ziemlichen Anzahl Festteilnehmer vor dem neuen Schulgebäude versammelt waren,hielt Herr Bürgermeister Hoeren aus Stoppenberg eine kurze Ansprache an die Versammlung, worin er seiner Freude darüber Ausdruck verlieh, dass nun auch die evangelischen Schulkinder von Kray ein trautes Heim, eine eigene Schule hätten, worauf der Lokal-Schulinspektor Herr Pastor Augener aus Königsteele den Schlüssel überreichte. Herr Pastor Augener hielt die Weihrede, worin er besonders betonte, dass auch dieses Haus eine Pflanzstätte der Bildung, Gesittung, Vaterlandsliebe und wahren Christentums werden möge. 

Hierauf gab der neue Lehrer, Herr Wagener, das Versprechen ab, in obigem Sinne an dieser Schule zu wirken. Mit dem Gesang: „Ach bleib mit deiner Gnade“ wurde die offizielle Feier geschlossen. Nun wurden die Schulkinder mit Brötchen und Milch versorgt, worauf die Erwachsenen sich in das Lokal des Wirtes Sense zur Tasse Kaffee begaben, und auf den Schwingen idealer Reden aus den Dämpfen des edlen Mokka hinaufgetragen wurden in die Reiche „edler Menschlichkeit“. Von den vielen rhetorischen Ergüssen hat keiner das Zwerchfell der Zuhörer so erschüttert, wie der Vortrag des Wirtes Herrn Sense: "Wie Kray entstanden!“ 

Herr Lehrer Wagener nahm am 11. April 1877 mit 82 Kindern den Unterricht auf, er begann mit den Fächern Bibl. Geschichte, Deutsch und Rechnen, und es wurde mit Gesang und Gebet geschlossen. Da die Schülerzahl rasch wuchs, kam im Jahre 1881 als zweite Lehrkraft die Lehrerin Maria de Haan hinzu. Sie wurde unter 12 Bewerberinnen ausgewählt. Eine Lehrerschwemme gab es wohl vor 100 Jahren schon. 

Wie die Schülerzahl wuchs, dafür sollen folgende Zahlen sprechen:

1877                               1 Klasse     /    1 Lehrer                            82 Kinder

1881                               2 Klassen   /    2 Lehrer                         157 Kinder

1892                               4 Klassen   /    4 Lehrer                         297 Kinder

1900                               6 Klassen   /    6 Lehrer                         464 Kinder

1909                               8 Klassen   /    8 Lehrer                         573 Kinder

1911                             11 Klassen   /  11 Lehrer                        800 Kinder

Herr Rektor Wagener war bis 1908 Schulleiter, seine Nachfolger waren Rektor Bade (1908 - 1912), Rektor Paul Everts (1912 - 1928), Rektor Franz Koch (1929 – 1946), Rektor Hermann Dahlhoff (1947 - 1955), Rektor Heinz Strunz (1956 –1962), Rektor Günther Herminghaus (1963 - 1968), Rektor Heinrich Hartmann (1968 - 1976), Rektor Heinrich Baukelmann (1976 - 1989), Rektorin Gabriele Herrmann (1989-2002), Rektorin Anne Bronst (ab 2004). Das Schulgebäude machte nach seinem Baujahr 1877 einige Veränderungen mit, da es mit der Schülerzahl wachsen musste. Ursprünglich hatte der Schulbau 2 Klassenräume. 1885 schuf ein Anbau einen östlichen Flügel mit zwei weiteren Räumen. Im Jahre 1895 folgte ein nach Westen gelegener Flügelanbau nocheinmal mit 2 Klassenräumen. Somit hatte die Schule damals 6 Räume, im alten Gebäudeteil lag noch die Wohnung für zwei Lehrerinnen. Im Jahre 1908 wurden die Dienstwohnungen in zwei Klassenräume umgewandelt. 1909 wurde, um dem dauernden Mangel an Klassenräume zu begegnen, ein Anbau in großem Umfang ausgeführt. Dieser umfasste neben zwei großen Fluren 8 Klassenräume, ein Konferenzzimmer, 1 Brausebad mit 2 Ankleideräumen und die erforderlichen Keller für die Zentralheizung. Ende der 60 - er Jahre kamen 2 Schulpavillonklassen dazu und gaben der heutigen Schule das Aussehen. Das Schulgebäude hat augenblicklich 18 Klassenräume, 1 Lehrerzimmer und 2 Amtszimmer. 1920 hatte die Joachimschule mit 21 Klassen = 1200 Kinder ihren größten Umfang erreicht. Durch Änderung der Schulbezirksgrenzen wurde das System auf 16 Klassen reduziert.

Schule und Schulbau kosten heute und kosteten 1877 Geld. Gewissenhaft verzeichnete Rektor Wagener in der Schulchronik den Kostenaufwand. So sollen sich die Kosten für das neue Schulgebäude und Einrichtung 1877 auf etwas über 10.000 Mark belaufen haben. Das riesige Schulgrundstück wurde zum Vorzugspreis von 1.500 DM für den Morgen Land (2500 qm) erworben. Die Toilettenanlagen, 2 Waschküchen und 2 Stallräume kosteten weitere ganze 1.000 Mark.

Herr Wagener, 1877 ganze 31 Jahre alt, erhielt nach seinen Aufzeichnungen als erster Lehrer bei seinem Start in der Joachimschule ein Jahresgehalt von 1.500 Mark. Für die Heizung und Reinigung der Schulklassen wurde ferner jährlich 105 Mark gezahlt. Klassenlehrer Carl Röhr erhielt 1884 ein Gehalt von jährlich 1.050 Mark und 150 Mark Mietentschädigung und 105 Mark für die Heizung und Reinigung des Schullokals. Zur geldlichen Kaufkraft sei aber folgendes Beispiel zitiert: 

"Für 5 Mark konnte man vor der Jahrhundertwende von Kray mit der Bahn nach Düsseldorf fahren, dort zu Mittag gut bürgerlich essen, ein großes Bier trinken, zurück nach Kray fahren und hatte dann noch einige Pfennige übrig!" 

Wie kam die Schule zu ihrem Namen? 

Von 1877 bis zum 30. März 1939 hieß sie schlicht und einfach evangelische Schule I Kray-Leithe. Als mit Beginn des Schuljahres 1939/40 durch die damaligen Machthaber alle Schulen in sogenannte deutsche Schulen umfunktioniert wurden, erhielten alle Krayer Schulen Namen. Zwei haben bis auf den heutigen Tag Bestand: Die Ostschule Kray-Süd und unsere Joachimschule. Namensgeber war die Zeche Joachim - so nannte damals jeder den Schacht Joachim der Zeche Elisabeth in Kray. Zur Schule und zum Schulalltag gehört auch das Wort Feier. Glaubt man den Aufzeichnungen der Schulchronik, so wurde meist froh und auch oft gefeiert. Die Anlässe dazu spiegeln unsere bewegte Geschichte wider: 

02.09.1877 Besuch Kaiser Wilhelm I. bei Krupp in Essen mit Teilnahme der Schulkinder in Rüttenscheid bei Gesang und Spiel.

1878 Sedanfeier aller Schulen mit Umzug in Königsteele.

1902  Kinder - Weihnachtsfeier beim hiesigen Arbeiterverein.

1913  Fest zur Gründung eines Schulvereins in Kray. Ziel: 10 kranke Kinder können in ein Solbad zur Kur!

1914  Großes Sommerkinderfest des Schulvereins. 15 Kinder für 4 Wochen zur Kur nach Sassendorf.

1915  Gedenkfeier: 100 Jahre Rheinprovinz bei Preußen.

1927 50-jähriges Jubiläum der Schule:

Festakt in der Jugendhalle

Abendfeier auf dem Schulhof

Wiedersehensfeier aller ehemaligen Lehrer und Schüler

Festgottesdienst.

1932 Goethefeier zum 100. Todestag des Dichters

1935 Feier zur Eröffnung des Reichtages

Fackelzug von 1000 Kindern am Abend

1942 Feierstunde zu Ehren der tapferen deutschen Soldaten

1949 Goethe – Feier der Joachimschule bei Kuhaupt

12.11.1952 Fest zum 75–jährigen Schuljubiläum

1959 Schiller – Feier der Joachimschule

1977 100 – jähriges Schuljubiläum

Wichtige Daten aus der Neuzeit:

1992 Renovierung des Hauptgebäudes der Joachimschule für ca. 98.000,00 DM 

1992 Im Schulbezirk werden zwei Asylantenheime, Grimbergstraße und Hubertstraße eingerichtet. Die Zahl der ausländischen Kinder steigt an bis auf ca. 50%. Besondere Fördermaßnahmen für Sprachanfänger werden ins Schulprogramm aufgenommen. 

1994 Einführung des Gemeinsamen Unterrichts an der Joachimschule 

1999 Einrichtung einer Förderklasse für Sprachanfänger 

2002 125 Jahrfeier der Schule 

2005 Einstieg in den offenen Ganztag